Nachgefragt bei Tourguide Raphi Meier

Ein Interview mit Tourguide, Trailbuilder und MTB-Addict Raphael Meier:

Neben seinem Geographie-Studium arbeitet der 21-Jährige als Trailbuilder für eine Firma in der Schweiz. Auch privat fährt er leidenschaftlich gerne Bike, sei es Mountainbike, Gravel oder einfach so durch die Stadt. Eigentlich ist er immer auf zwei Rädern unterwegs, nur im Winter stillt dann Skifahren seine Sehnsucht nach den Bergen.

Als ehemaliger Schüler am CFG kam er schon mit 17 zu seinem ersten vollständigen Alpencross und freut sich, seine Erfahrungen teilen zu können.

Redaktion AlpX: 

Wie viele Alpencross und Alpenetappen bist du schon gefahren?

Raphi:

Also wenn man ganze Alpencross nimmt, dann sind es mittlerweile drei. Davon ist einer damals mit der Schule gewesen (Carl-Friedrich-Gauß Gymnasium). Da hatten wir auch schon das P-Seminar Alpencross und zwei weitere habe ich dann sogar selbst guiden dürfen. Wenn man auch Teiletappen oder Tagesetappen nimmt, dann sind es natürlich um ein Vielfaches mehr, aber insgesamt sind es bisher drei. Aber das werden sicher nicht nur drei bleiben, sondern es werden in Zukunft bestimmt noch mehr.

Redaktion AlpX: 

Und wie gehst du vor, wenn du einen Alpencross planst? Womit fängst du an zu planen?

 

Raphi:

Das ist natürlich immer ein bisschen abhängig davon, durch welches Gebiet der Alpencross genau gehen soll. Es gibt sehr viele verschiedene Routen und Start- und Zielpunkte. Insgesamt halte ich mich meist an eine vorgegebene GPS-Route. Da suche ich mir etwas Gutes raus, was zu meinem Können und Fitnesslevel passt. Und dann erweitere ich das Ganze mit meinen lokalen Kenntnissen. Wenn ich z.B. weiß, dass es dort  ein paar gute Trails oder gute Aussichten gibt, passe ich die beschriebene Route so an, dass sie ganz individuell meinen Bedürfnissen entspricht. Außerdem frage ich oft noch ortskundige Leute, die dort wohnen oder die selber dort biken und die geben dann auch immer noch wichtige Hinweise. Und dann plane ich das Ganze am PC. Da gibt’s mittlerweile verschiedene Möglichkeiten. Auf der Route nehme ich dann das GPS-Gerät und habe noch die Karte als Backup dabei.

Redaktion AlpX: 

Worauf sollte man deiner Meinung nach bei der Planung am meisten achten?

Raphi:

Am meisten Wert legen würde ich wahrscheinlich auf einen guten Ort zum Mittagessen. Das ist meiner Meinung nach ganz wichtig, dass man eine schöne Aussicht genießen kann. Und natürlich auch gutes Essen, gerade weil man bei einem Alpencross sehr hungrig wird – da macht eine gute Mittagspause sehr viel aus. Dann wird der ganze Nachmittag auch nochmal viel entspannter, was gut für die Gruppendynamik ist. Wenn ich dann noch einen zweiten Punkt anführen darf, dann wäre es, gute Trails einzubauen. Da lege ich in der Planung auch besonders viel Wert darauf, dass ich da immer ein paar „Schmankerl“ dabei habe.

Redaktion AlpX: 

Wir haben ja schon vorhin deine erste Alpenüberquerung mit der Schule angesprochen. Wie intensiv hast du dich auf deine erste Alpenüberquerung vorbereitet?

Raphi:

Genau, mein erster Alpencross war mit der Schule. Damals hatte ich noch relativ viel Zeit und habe mich nach dem Motto „besser zu viel, als zu wenig“ vorbereitet. Also lieber habe ich ein paar Kraftreserven mehr, als dass ich mich sehr abplagen muss. Und ich habe prinzipiell darauf geachtet, einfach sehr viel Zeit im Sattel zu verbringen, um mich an die Intensität zu gewöhnen. Ich habe dann auch viele längere Ausfahrten gemacht und habe das Ganze mit Ausgleichstraining ergänzt, weil biken ja auch prinzipiell nur eine einseitige Belastung ist. Ich bin z.B. sehr viel Schwimmen gegangen. Also ich würde sagen, wir haben uns sehr intensiv darauf vorbereitet. Und das hat uns dann auch den Vorteil gebracht, dass wir die Tour auch wirklich genießen konnten und die Fitness nicht das größte Problem war. Und das Wichtigste würde ich sagen ist, dass man auch beim Training schon einen bepackten Rucksack mit dabei hat. Denn beim Alpencross hat man  einen großen Rucksack dabei und wenn man die Belastung nicht gewohnt ist, dann kann es schnell zu Rückenschmerzen und Co. führen. Deswegen habe ich auch davor schon immer mit einem großen, schweren Rucksack trainiert, dass man sich daran gewöhnt. Das wäre so mein wichtigster Tipp beim Training.

Redaktion AlpX: 

Was war deine prägendste Erfahrung bei einem Alpencross? Was würdest du sagen hat dich am meisten beeinflusst?

Raphi:

Da gibt es sicher sehr viele Punkte allgemein aus der Planung und der ganzen Alpencross-Durchführung, die mich sehr stark geprägt haben. Besonders fand ich die Gruppendynamik, die sich im Laufe der Planung und auch der Durchführung entwickelt. Gerade am Anfang muss man, wenn es eine fremde Gruppe ist, die Gruppe erstmal kennenlernen und sich in sie einfühlen. Sprich: Wer reagiert wie auf was. Aber ich finde, dass man am Schluss dann wirklich ein Team ist und den Alpencross auch als Team schafft. Der Teamgedanke ist wirklich sehr prägend.

Redaktion AlpX: 

Hattest du schon mal ein gefährliches Erlebnis bei einem Alpencross?

Raphi:

Ja, das war sogar bei meinem erstem Alpencross. Da ist eine Teilnehmerin gestürzt und der Sturz sah im ersten Moment sehr fatal aus, aber es hat sich herausgestellt, dass die Teilnehmerin mehr oder weniger unverletzt war und sogar weiterfahren konnte. Das Rad war etwas demoliert, wir konnten es aber reparieren und der begleitende Teamarzt hat sich damals sofort um die Gestürzte gekümmert. Es war am Anfang zwar ein großer Schreck, aber Glück im Unglück – und wir konnten gut weiterfahren. Aber es war definitiv ein gefährliches Erlebnis, als sie in voller Fahrt gestürzt ist.

Redaktion AlpX: 

Hast du noch ein paar Tipps für Leute, die ihren ersten Alpencross planen, im Bezug auf Nachhaltigkeit?

Raphi:

Ja. Gerade wenn man schnell unterwegs ist und unterwegs einen verpackten Riegel isst, kann es schnell passieren, dass die Verpackung in der Natur landet. Das ist natürlich nicht so nachhaltig. Also sollte man darauf achten, die Verpackungen sicher zu verstauen und die Tasche wieder so zu verschließen, dass man keinen Müll hinterlässt. Auch sollte man Rücksicht auf die Tiere nehmen, da man bei einem Alpencross in der Natur unterwegs ist und man sich deshalb leise verhalten und die Natur genießen sollte. Ebenfalls ist es wichtig, dass man sich auf die befestigten Wege und Trails beschränkt und nicht quer durch die Wälder fährt.

Redaktion AlpX: 

Abschließend würde ich dich bitten, fünf Dinge zu nennen,  die deiner Meinung nach bei einem Alpencross auf keinen Fall fehlen dürfen.

Raphi

Abgesehen von den Basics wie Bike, Helm und Brille ist ein Biketool, an dem ganz viele Werkzeuge sind und mit dem man sehr viel reparieren kann, das, was man immer dabei haben sollte. Eine zweite wichtige Sache sind meiner Meinung nach Lieblingssnacks, die man sich gerade bei anstrengenden Passagen als Belohnung zurechtlegen kann, was die Motivation sehr steigert. Als Drittes würde ich sagen, eine Trinkblase, die man wahrscheinlich eh dabei hat, da es wichtig ist, während der Belastung genug zu trinken. Als Viertes würde ich sagen, gute Laune, da der Alpencross sonst keinen Spaß macht und man weniger motiviert ist. Als Fünftes würde ich definitiv Hirschtalg auf die Liste setzten, denn wer sich schonmal die Beine oder das Gesäß wundgerieben hat, weiß, wovon ich rede. Hirschtalg ist meiner Meinung nach ein “must-have” für einen Alpencross.

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