Am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium wurde es still am Vormittag des 16. Dezember 2025. Still auf eine Weise, die mehr sagt als Applaus. Mit „SAD-88: Feuer. Wut. Angst.“ zeigte dort das OVIGO-Theater ein Stück, das sich einem Verbrechen stellt, welches bis heute nachwirkt: dem rassistisch motivierten Brandanschlag in Schwandorf in der Nacht auf den 17. Dezember 1988. Der stadtbekannte Neonazi Josef S. steckte damals das Habermeierhaus in Brand und tötete dadurch vier Menschen, darunter auch einen zwölfjährigen Jungen. Das Motiv des Täters: Hass auf Ausländer. Mehr als drei Jahrzehnte später holt das OVIGO-Theater diesen lange verdrängten Teil der lokalen Geschichte auf die Bühne – nicht als bloße Rückschau, sondern als dringliche Gegenwartsfrage.

Die multimediale Bühneninszenierung „SAD-88“ mit Lisamarie Berger und Florian Wein erinnert an die vier Todesopfer des Brandanschlags vom 17.12.1988 in Schwandorf.

„SAD-88“ ist kein Theater im klassischen Sinne und stellte insofern für die Zuschauer – die Schülerinnen und Schüler der 9., 10. und 11. Jahrgangsstufe des CFG – durchaus eine Herausforderung dar. Denn die Inszenierung verzichtet auf klassische Dramaturgie und arbeitet stattdessen mit einer multimedialen Montage, die bewusst auf sachliche Präzision setzt: Videoeinspielungen, dokumentarische Texte und Tonaufnahmen verweben sich mit dem Spiel der beiden Schauspieler Florian Wein und Lisamarie Berger. Rekonstruktionen des Tathergangs jener Nacht, Zitate aus dem Gerichtsurteil und Fakten aus der gegenwärtigen rechtsextremen Szene stehen dabei in scharfem Kontrast zu den persönlichen Erinnerungen der Hinterbliebenen und machen gerade dadurch das Ausmaß der Tat für das Publikum spürbar – nüchtern, ungeschönt, erschütternd.

Für die Schülerinnen und Schüler im Publikum entfaltete dadurch das von Florian Wein entwickelte Stück „SAD-88“ eine besondere Wirkung. Die Inszenierung zwingt zur Auseinandersetzung, nicht mit einer abstrakten Ideologie, sondern mit den konkreten Folgen von Hass und rechter Gewalt: mit konkreten Opfern, konkreten Orten, konkreter Verantwortung. Nach der Aufführung herrschte keine aufgeregte Unruhe, sondern Betroffenheit, Fassungslosigkeit und Stille. Eine Stille, die nacharbeitet.

„SAD-88“ ist damit mehr als ein Theaterstück. Es ist ein klares Zeichen gegen Rechts, ein Appell gegen Gleichgültigkeit – und für Toleranz und Zivilcourage in unserer Gesellschaft. Mit dem Besuch dieser Veranstaltung wollte aber auch das CFG ein Zeichen setzen und Haltung zeigen. Denn Aufklärung und Erinnerungsarbeit sind wichtig, um Jugendliche politisch zu bilden, damit sie Diskriminierung in keiner Form akzeptieren und klar Stellung gegen Fremdenfeindlichkeit beziehen. 

Wir danken dem OVIGO-Theater für diese emotional bewegende Inszenierung, die zeigt, wie nachhaltig Theater als Medium der Aufklärung und des Erinnerns wirken und wie es Raum für gesellschaftliche Debatten schaffen kann. Ein besonderer Dank gilt auch dem Kreisjugendamt Schwandorf, das die Aufführung finanziell unterstützt hat.

Susanne Liebl (Text und Fotos)
Nüchtern, ungeschönt, erschütternd – Anti-Rassismus-Theaterstück „SAD-88“ am CFG aufgeführt 
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