Die Kunst, fair zu streiten

Unterschiedlicher Meinung sein, überzeugende Argumente einbringen, fair miteinander diskutieren: Wie das geht, haben Jugendliche am vergangenen Mittwoch in Schwandorf gezeigt. Zum ersten Mal war das Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium Gastgeber des Regionalentscheids des bundesweiten Wettbewerbs Jugend debattiert. Rund 200 Debattanten, Schülerjuroren und Lehrkräfte aus elf Gymnasien des Regionalverbunds Oberpfalz/Nord-Mittelfranken/Ost waren dazu nach Schwandorf gereist.

Das Jugend debattiert-Team des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums (Debattanten, Juroren, Orga- und Technikteam) (Foto: S. Liebl)

Soll für Privatgärten eine insektenfreundliche Gestaltung vorgeschrieben werden? Soll die Veröffentlichung von Wahlumfragen im Vorfeld von Wahlen verboten werden? Oder: Sollen Lokalzeitungen staatliche Förderung erhalten? Solche und ähnliche Fragen wurden beim regionalen Schülerwettbewerb von Jugend debattiert von den Debattanten mit Sachlichkeit und sprachlicher Präzision verhandelt – Fragen von hoher politischer Relevanz. Zwischen Naturschutz und Eigentumsfreiheit, Pressevielfalt und Staatsnähe, Meinungsfreiheit und demokratischer Willensbildung spannten die Jugendlichen ein breites Argumentationsfeld auf.

Soll für Privatgärten eine insektenfreundliche Gestaltung vorgeschrieben werden? Das war das Thema beim Finale der Altersstufe I im Regionalentscheid des Jugend debattiert-Wettbewerbs mit (von links) Ayla Haas, Katharina Winkler, Frederike Dorschner und Marie Escherl. (Foto: S. Liebl)

Klare Regeln für fairen Streit

Eine Debatte bei Jugend debattiert folgt einem festen Schema: Vier Jugendliche – zwei Pro, zwei Contra – eröffnen mit strukturierten Eingangsreden. In der freien Aussprache werden Argumente geprüft, hinterfragt und weiterentwickelt, bevor prägnante Schlussstatements den Standpunkt zuspitzen. Bewertet wird durch eine Jury aus Lehrkräften und geschulten Schülerjuroren. Maßgeblich hierbei sind die Kriterien Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft: Wie sorgfältig hat sich der Debattant auf das Thema vorbereitet? Wie groß sind die rhetorischen Fähigkeiten? Wird an die Argumente der anderen angeknüpft? Diese strukturierte Beurteilung stellt sicher, dass nicht Lautstärke zählt, sondern die Qualität des Arguments und der Respekt vor dem Gegenüber den Ausschlag für die Entscheidung der Jury geben.

Schulleiter OStD Dr. Johannes Werner, die Debattanten des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums, die am Jugend debattiert-Regionalentscheid teilgenommen haben (von links: Cem Kilic, Frederike Dorschner, Ayla Haas, Anna Tripke), Schulkoordinatorin StRin Susanne Liebl (Foto: B. Schmidt)

Qualifikation für den Landesentscheid

Die spannenden Finaldebatten wurden von allen Schülern in der Aula des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums verfolgt. In der Sekundarstufe I für Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zehn setzte sich Ayla Haas vom Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium Schwandorf durch, Frederike Dorschner, ebenfalls Schülerin des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums, war Zweitplatzierte. Auf den Plätzen drei und vier folgten Katharina Winkler und Marie Escherl vom Max-Reger-Gymnasium Amberg. In der Sekundarstufe II für die Klassen elf bis dreizehn überzeugten Annika Fleischer vom Leibniz-Gymnasium Altdorf (Platz eins) und Julian Härtl vom Erasmus-Gymnasium Amberg (Platz zwei) die Jury mit ihren rhetorischen Fähigkeiten, gefolgt von Helene Heldrich (Herzog-Christian-August-Gymnasium Sulzbach-Rosenberg) und Paula Dotzler (Max-Reger-Gymnasium Amberg).

Mit ihrem Sieg beim Jugend debattiert-Regionalentscheid sicherten sich die Erst- und Zweitplatzierten nicht nur die Teilnahme an einem dreitägigen, professionellen Rhetoriktraining, das sie auf die nächste Wettbewerbsstufe vorbereitet, sondern sie qualifizierten sich damit auch für die Teilnahme am Landesentscheid am 20. April 2026 in München. Dort werden sie sich mit den Siegern der anderen Jugend debattiert-Regionalverbände Bayerns messen und um den Einzug ins Bundesfinale in Berlin kämpfen, das unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten stattfindet.

Die beiden Siegerinnen des Jugend debattiert-Regionalentscheids in der Sekundarstufe I, Frederike Dorschner (Kl. 10b) und Ayla Haas (Kl. 10a), mit Schulleiter OStD Dr. Werner

Mehr als ein Wettbewerb

Wie herausragend die Bedeutung von Jugend debattiert für eine lebendige Debattenkultur ist, verdeutlichten auch OStR Hartmut Duppel, welcher am Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus für Schülerwettbewerbe zuständig ist, und OStD Dr. Johannes Werner, Schulleiter des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums, in ihren Reden beim Regionalentscheid. Denn Jugend debattiert vermittelt zentrale Kompetenzen wie kritisches Denken, respektvolles Zuhören, präzises Formulieren und die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten. Diese Fähigkeiten sind nicht nur im Schulalltag, sondern auch im Berufsleben und in einer pluralistischen Demokratie unverzichtbar. Der Wettbewerb leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Debattenkultur: Er stärkt junge Menschen darin, Verantwortung zu übernehmen und konstruktiv am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen – eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft und unserer Demokratie.

Wir gratulieren Ayla und Frederike herzlich zum Sieg im Jugend debattiert-Regionalentscheid und freuen uns auf spannende Debatten beim Landesfinale in München!

Susanne Liebl

OStR Hartmut Duppel, welcher am Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus für Schülerwettbewerbe zuständig ist, war beim Jugend debattiert-Regionalentscheid am CFG zu Gast.
Moritz Bischoff (Kl. 10b) am Flügel

Impressionen vom Jugend debattiert-Regionalentscheid am CFG

(Fotos: S. Liebl)

Jugend debattiert-Regionalentscheid am CFG
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